Oma sitzt beim Bäcker
8. Dezember 2021
Er hatte sich abgehetzt. Die Mütze war vom Kopf geflogen. Der Wind war eisig geworden und leichter Schnee trieb ihm ins Gesicht. Er hatte die Schuhe nicht ausgezogen und stürzte in die Küche. Opa saß am Tisch und hatte die Zeitung vor sich. „Zieh die Schuhe aus, du Ferkel!“ Er ging in den Flur zurück und stand in der Tür: “Wo ist Oma?“ Er wartete. „Und was soll die, kannst auch mich fragen. Die sitzt bestimmt noch eine gute Stunde beim Bäcker.“ Er war schon fort. Opa rief hinterher: “Was ist denn los?“ Er rutschte von der Dorfstraße zur Backstube hinunter und stürzte durch die Tür. „Tür zu, der Ofen ist offen“. Schossig drehte sich nicht um. Frauen saßen in der Backstube auf der Stollenbank und hielten ihre Zutaten in Körben oder Schüsseln auf dem Schoß, als bewachten sie etwas Kostbares. Er rief: “Oma!“ Alle Köpfe drehten sich. Er ging vor ihr auf die Knie: “Es hat geschneit. Morgen fahren wir mit den Schlitten in die Buschmühle und dann Kaffee trinken!“ Oma fragte: “Na und?“ „Und heute sollen wir im Hort Geld abgeben.“ „Aha, du hast es wieder vergessen?“ „Nein, wir sollten es erst mitbringen, wenn Schnee ist.“ „Da hast du ja Glück.“ Sie fingerte eine Mark aus der Kittelschürze und gab sie ihm. Er sprang auf und war zur Tür hinaus. Es schneite immer noch und er sprach vor sich hin: “Da geht es morgen mit den Schlitten los, bestimmt.“ Er rannte den Berg hoch zum Hort. Das Licht in den Räumen brannte noch, aber die Tür war verschlossen. Er klopfte. Dann nochmal!…
Und abends an der Rampe..
6. November 2021
„Gottseidank hatten wir nach dem Krieg eine schöne Zeit in unserem Dorf! Wir hatten Freunde gefunden und führten ein bescheidenes Leben. – Auch arbeiten konnte ich. Und abends trafen wir Mädchen uns an der Milchrampe.“ Sie lächelte nachdenklich und blickte auf die Bilder von früher. Vor uns lag ein Fotoalbum und ich hatte ein Faltblatt mit. Ich breitete es aus und sie las den Titel. „Da waren wir auch!“ Sie war erregt und erinnerte sich:“ Ich hatte doch meinen Manfred an der Rampe kennen gelernt! Er arbeitete nebenbei beim Schmied Müller. Das bißschen Reichsgeld wird verjuxt, sagte er immer und lud mich zum Tanzen auf Steglichs Saal ein.“ Dann ruhte sie in ihren Gedanken. Wir lasen Vers für Vers. „ Oh je, das bin ja ich! Na ja, so schlimm war es auch nicht, aber ich habe ihn lieb gehabt!“ Wir waren ausgebombt und hatten alles verloren. Aber wir waren nicht die einzigen, die hier eine neue Heimat gefunden hatten.“ Sie suchte in den Versen:“ Hier die Annelies, die kam aus Schlesien. Sie waren vertrieben worden. Über Nacht mussten die weg! Die Familie hatte Glück, dass sie hier unter kam. Der Bruder heiratete später bei Winklers ein.“ Sie suchte mit dem Finger nach weiteren Schicksalen. „Günther Kunze habe ich auch gekannt. Der hatte doch den Russenangriff 45 miterlebt. Ich weiß aber nicht, ob er nach Arnsdorf gezogen ist. Weggezogen ist er.“ Sie las interessiert weiter. “Ach hier, Bodens, Kurt. Der war mit Annelies später auseinander. Er wohnte dann ganz allein an der…
Fahrrad fahren 1900
17. Oktober 2021
Die Jahrhundertwende 1900 entwickelte sich in Bühlau eine Vereinshysterie. Neben anderen Vereinen gründete sich in Bühlau 1903 der Fahrradverein „Edelweiß“. Die Massenproduktion des sogenannten Sicherheitsniederrades mit Luftbereifung und Torpedorücktritt regte dazu an. Als Fortbewegungsmittel für Kurzstrecken wurde es beim Volk immer beliebter. Also sagten sich die Bühlauer: “Warum nicht gemeinsam Rad fahren und sich sportlich auszuprobieren?“. Zu dieser Zeit sagte man über das Fahrrad, man wäre damit schneller am Ziel als die Eisenbahn! Die abgebildete Urkunde zeigt in ihren Bildern alle Möglichkeiten der sportlichen Betätigung mit einem Fahrrad: Massenausflug, Radrennen, Fahrradartistik und den bunten Fahrradreigen. In den 1920iger Jahren kostete ein importiertes chinesisches Fahrrad 20,– RM(!). Und das Fahrrad brachte auch Arbeit ins Dorf. Im Ort etablierte sich eine Fahrradhandlung und -werkstatt. Diese Schilder wurden am Rahmen des Fahrrades angebracht und waren Reklame und Firmenlogo. Sie zeugen von der Flexibilität unserer Einwohner, denn die Arbeit wurde keinem hinterhergetragen. Man musste sich kümmern. Dass der Fahrradverein der Auslöser des neuen Gewerbes in Bühlau war, ist wahrscheinlich. Den Händler und Reparateur im Ort zu haben, war günstig. Die rechte Urkunde ist dem Schmied Max Müller überreicht worden. Sein Vater, Max Moritz Müller, hatte 1900 die Schmiede an der Hauptstraße übernommen, damals die Nummer 21B. Mein Problem ist, wer das Ehrenmitglied war?…
Ein Patenbrief 1859
3. Oktober 2021
Solch ein herrliches Geschenk bekamen die Kinder in unserem Dorf von ihren Paten bei der Taufe. Ein Pate bedeutete Zukunftssicherung. Er konnte helfen bei Lehre und Beruf. Seine Stellung half eventuell bei einer Karriere. Und nicht zuletzt war er zur Hilfe verpflichtet, wenn die Eltern verstarben. Solch ein Patenbrief ist uns von der Familie Grützner in Bühlau erhalten geblieben. Er ist ein beredtes Zeugnis des Dorfbrauchtums Mitte des 19. Jahrhunderts. Und er steht für überkommene Rituale. Nach der Taufhandlung steckte der Pate dem Täufling den Patenbrief in das Bettchen. Der Patenbrief enthielt Geld, es waren Münzen der unterschiedlichsten Art. Die Anzahl der Münzen musste ungerade sein. Das sollte andeuten, dass es dem Kind nie an Geld fehlen möge. Manchmal legte man auch einen gefundenen Pfennig hinein, das brachte Glück. Dem Knaben gab man auch neunerlei Samen mit in den Brief. Ein heidnischer Brauch: Hinweis auf zukünftig viel Getreide bei der Ernte. Das Aufbrechen des Patenbriefes durch die Eltern musste mit einem Gebet über dem Kopf des Kindes geschehen, sonst könnte das Kind stumm bleiben. Der handschriftliche Text unter dem Vers heißt: „hierbei gedenke oft an Deinen Taufzeugen Langenwolmsdorf. Carl Ernst Grützner, den 13. Februar 1859
Tag der offenen Tür im Jugendclub
17. September 2021
Am 04.09.2021 versammelten sich die Mitglieder des Jugendclubs schon morgens, um den Tag der offenen Tür vorzubereiten. Sponsoren, Helfer und Unterstützer wurden vorweg postalisch eingeladen, uns an diesem Tag zu besuchen. Um 11 Uhr öffneten wir unsere Tore zu den umgestalteten Räumen des Clubgebäudes. Bei einem Kaffee, Kuchen oder Canapé bestaunten unsere Gäste unsre Umbauarbeiten. Sie verfolgten Bilder einer Diashow, die den Rückblick der letzten 1,5 Jahre widerspiegelten, und wurden von unseren Mitgliedern in die neuen alten Hallen geführt. Am Abend öffneten wir unsere Tore für die Öffentlichkeit. Vor allem andere Jugendclubs, wie beispielsweise Großdrebnitz, Lauterbach oder Oberlichtenau besuchten uns und beglückwünschten und zu unserem Erfolg des Umbaus. So verbrachten wir alle einen tollen Abend mit Freunden und Helfern und stoßen gemeinsam auf unsere Erlebnisse und Errungenschaften an. Von allen Seiten hörten wir viel positives Feedback und hohe Achtung vor unserer Arbeit. Dies berührte uns sehr und stimmte uns glücklich. An dieser Stelle möchten wir uns bei allen Besuchern für liebe Worte, Glückwünsche und spenden bedanken. Es ist ein ganz großartiges Gefühl, so viel positive Resonanz zu erfahren.
Nanu, eine gelbe Kutsche?
17. September 2021
Als ich die ersten Bilder vom Festumzug zur 850 Jahrfeier von Bühlau sah, staunte ich: Im Zug fuhr eine gelbe Kutsche, gezogen von stattlichen, glänzenden Pferden. Ich forschte nach. Und ich erfuhr nichts Erfreuliches: Die Kutsche ist eingemottet, es gibt keine Geschirrpferde mehr in Bühlau! Somit kann sie nicht als Traditionsobjekt bei der 900 Jahr Feier genutzt werden. Das ist sehr schade! Dass diese Kutsche aus dem 19. Jahrhundert stammt, erfuhr ich aus einem Artikel der Sächsischen Zeitung. Für die große Feier 1971, 850 Jahre Bühlau, wurde diese Kutsche extra vorrausschauend durch die Gemeindeverwaltung angekauft. Bei einem Frankenthaler Bauern stand das Gefährt als Landauer ungenutzt in der Scheune. Die Bühlauer wussten bereits beim Kauf, was daraus werden könnte: Eine gelbe Postkutsche! Aber erst musste sie restauriert und mit einem Gepäckträger versehen werden. Und sie bekam den postgelben Anstrich. Dann lief diese Postkutsche in “persönlicher Pflege“ von Herrn Haufe zu Heimatfesten. Er spannte bei Ausfahrten immer seine eigenen Rösser davor! Später wurde eine weitere gründliche Überholung der Kutsche notwendig. Die Kutsche wurde mit einer neuen Plane bespannt, die Sitze und Lehnen neu gepolstert und der Aufbau mit neuer Farbe versehen. Um die Funktion weiter zu garantieren, sollten die Räder erneuert werden. Während der Polsterung gab es eine Überraschung: Unter den Lehnen wurden Zeitungen aus dem Jahre 1886 gefunden. Damit ist gesichert, wann die Kutsche gefertigt…
Die Dammmühle und die Familie Rodig
7. September 2021
Familie Rodig hatte eingeladen und wir haben diese Einladung dankend angenommen. Im Jubiläumsjahr sind wir interessiert an Gesprächen mit Einwohnern unseres Dorfes, um die Vielfalt von Eindrücken, Erlebnissen und Bildern festzuhalten. Den ersten, äußerst romantischen Eindruck, bekam ich von einem Ölgemälde. Das Gemälde, geschaffen von einer Künstlerin aus dem Familienkreis, zeigt die Mühle in romantischer, realistischer Art. Der Eindruck ist überwältigend. Das Motiv führt uns in die Zeit der tätigen Schneidemühle unterhalb des Teichdammes. Bretter, Radstube und Teichüberlauf sind sichtbar. Und der Hinweis auf die noch zu bewältigende Landwirtschaft ist das Schaf im Vordergrund. Wenn man das Dorf Richtung Lauterbach verlässt und in den Mühlenhof schaut, haftet der Blick an der hervorspringenden Hauswand, die ein Wandbild schmückt. Das Wandbild vereint Geschichte und Familie Rodig. Seit 1853 befindet sich die Dammmühle im Familienbesitz. Die Generationen durchlebten schöne, aber auch bedrückende Jahre. Rodigs Familienalben erzählten uns Geschichten von vier Generationen. Spannend waren die Erlebnisse und Anekdoten von Herrn Rodig. In der Mühle gab es viel zu tun. Aber hinzu kamen einige Hektar Acker und Wald. Also noch mehr Arbeit. Dann kamen die Jahre nach dem 2. Weltkrieg! Nach dem Inferno Dresdens nahm die Familie Verwandte auf und half ihr die schweren Jahre zu überstehen. Fotos aus dieser Zeit machten die Runde. Ein Bild zeigte eine mächtige Eiche, im Hintergrund die…
Familie Berghausen – VON CLAUS SØRENSEN aus Dänemark
6. September 2021
Wie kommt es zu dieser besonderen Geschichte? Herr Claus Sørensen schickte mir über die Bühlauer Internetseite eine Nachricht. Er wollte noch mehr von seiner Familie erfahren, die Anfang 1900 in Bühlau lebte und dann nach Dänemark ausgewanderte. Ich bat ihn um einen Artikel, Fotos und die Hintergründe. Denn damals war es bestimmt ungewöhnlich, alles aufzugeben und woanders mit einer anderen Sprache komplett neu anzufangen.Vielen Dank für die Fotos und die schöne Geschichte. Ich hoffe, Herr Sørensen besucht Bühlau in der nächsten Zeit, sodass wir ihn persönlich kennenlernen können. Es gibt eine gerade Linie von Bühlau in Sachsen nach Herning in Dänemark.Hier der Bericht des Ziegelmeisters aus Bühlau und seiner Familie,die wegen der Armut das Glück in einem anderen Land suchten. VON CLAUS SØRENSEN Hermann Christian Isidor Berghausen war sein Name. Er war Ziegelmeister von Bühlau in den frühen 1900er Jahren. Er lebte einige Jahre mit seiner Frau und seinen kleinen Kindern in Bühlau, aber der Ton in der Tongrube begann zu Ende zu gehen. Die Ziegelei wurde aufgegeben und die Armut zwang die Familie Berghausen weg. Weit weg. 1903 suchten sie ihr Glück in Dänemark. Siedelten sich dort Hunderte von Kilometern nördlich an, bauten sich eine Existenz auf und wurden zu soliden und geschätzten Bürgern ihres neuen Landes. Berghausen war mein Urgroßvater. Geboren am 12.10.1865 in Hohenhausen in Lippe-Detmold. Er gehörte einer achtköpfigen Geschwistergruppe einer jüdischen Familie an, die…
Zeugen der Besiedlung
13. August 2021
Die Besiedelung unseres Bühlautales vollzog sich analog zu den umliegenden Dörfern. Unsere kleine Aue, die eingebettet war in Wald und durchflossen von einem Bach, Bela genannt, hatte alle Voraussetzungen zum Besiedeln. Und wenn man heute in dieser Erde gräbt, kann man Zeugen dieser Besiedelung entdecken. Alles Holz ist verrottet, nur Keramik hatte Bestand. Die Siedler brachten ihre Gebrauchsgegenstände aus der alten Heimat mit: Töpfe, Kannen, Grapen Becher und vieles mehr. Dinge, die auch auf der Reise nach Osten für den täglichen Gebrauch notwendig waren. Sieht der Finder einer solchen Scherbe unwissend über ihn hinweg, so kann er doch einiges entdecken. Ein längliches rötlich-braunes Keramikrohr mit Wulst an der einen und Bruch an der anderen Seite. Oder einem Knauf ähnliches, abgeflachtes Gebilde mit Farbresten. Aber was stellt es dar? In welche Zeit entführt uns der Fund? Geht man zurück in die alte Heimat der Siedler, so bekommt man einen Einblick in ihre Wohnkultur. Der Knauf gehört zu einem Deckel, der auf viele Töpfe passte. Und er war farbig, weil die Kultur eine Verzierung wollte oder die Sippe, also den Hausstand, charakterisierte. Unten in der Abbildung ist der Knauf eingebettet in seine Funktion: Die Handhabung des Deckels beim Kochen! Der abgebrochene Handgriff von einem Grapen (oder Grapentopf) war montiert an einem dreibeinigen flachen Gefäß. In diesen Handgriff schob man einen Stock und führte den Grapen über das offene Feuer. Auf drei Beinen setzte man…
Der Fotograf kommt in die Schule
27. Juli 2021
Als in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts die Ablichtung der Menschen eine technische Neuerung darstellte, konnten die Bauern nicht nachstehen. Allerdings war der Aufwand hoch. Der Fotograf schleppte seine Aufnahmetechnik und die Kulissen immer mit sich herum oder die Bauern fuhren in die Städte zur Ablichtung. Die ersten Aufnahmen von uns Bühlauern zeigen diesen Aufwand. Leider sind uns die Akteure unbekannt. Was wahrscheinlich ist, der stehend kraftstrotzende Herr mit Säbel, könnte der Gemeindediener sein. Vielleicht waren die sitzenden Herren Honoratioren des Dorfes. Es wird uns verborgen bleiben. Ein datiertes schönes Foto stellt die Schulkinder im Jahre 1898 dar. Der Fotograf kam aus Elterlein im Erzgebirge. Das Foto umfasst alle in dieser Zeit schulfähigen Kinder des Dorfes. Der alte Lehrer Petrich steht in der letzten Reihe hinter der großen Klasse. Die Schule ist geschmückt mit Spalieren und Wein. Zum Schutz sind Zäune davorgestellt. Die Ordnung gefällt nicht allen Kindern, wie man an deren Gesichtern ablesen kann. Im Schulgarten steht ein Schreberhäuschen, im Stil dieser Zeit üblich, wo auch Bienenstöcke aufgestellt waren. Davor wurde schon damals der Unterricht im Grünen praktiziert. Was wir nicht sehen, ist die Schulscheune, die in Richtung Kirche steht. Die Fenster der 1. Etage gehörten zur Lehrerwohnung.
Familie Rentsch lädt ein – Vorstellung der Bühlauer Chronik
23. Juli 2021
Am Donnerstag, dem 22. Juli waren einige Bühlauer in den schönen Garten der Familie Rentsch eingeladen. Bei Sekt und anderen Getränken stellte Herr Rentsch die neue Bühlauer Chronik vor. Es ist ein sehr schönes Büchlein geworden. Viele neue Infos und noch viel mehr Fotos findet man hier. Das Buch kann hier bestellt werden:https://www.buehlau.net/#bestellung-chronik oder wird auch beim Bäcker aus liegen.
Amtliche Stempel in Bühlau und ein Siegel
13. Juli 2021
Prachtvolle Siegel prangen an den Schriftrollen des Mittelalters. Mit solchen Schriftrollen kann unser Dorf nicht aufwarten. In den Archiven muss man das Material über unseren Ort aus dem Mittelalter suchen. Erst ab 1864 sind Stempel für amtliche Vorgänge bekannt. Der Ortsrichter bekam einen einfachen, schmucklosen Gemeindestempel. Er war zeitweise Gemeinde-ältester und Friedensrichter. Er arbeitete in seiner Wohnung, dem Amt! Es war das Haus Nr. 43 (Gerichtsweg 7). Selbst der Stempel der Kirche hatte einen ausgesprochen sachlichen Inhalt. Ein Standesbeamter erscheint erst ab 1876. Er hatte auch sein Amt in der Wohnung. Friedrich Wilhelm Wustmann wohnte in Haus Nr. 47 ( Gerichts-weg 3). Es wurde abgerissen und neu überbaut. Der Stempel aus dem Jahr 1936 kommt dann ganz sächsisch rüber. In der Mitte prangt das Landeswappen des Freistaates Sachsen. Der Standesbeamte Martin Richter hatte seine Amtsstube in dem Gut Nr. 14. Nach dem Bürgermeister Paul Winkler wurde Martin Richter Bürgermeister von Bühlau. Aber die Sensation ist dieses echte Lacksiegel aus dem Jahre 1846. Gesiegelt auf dem neu erstellten Grund- und Hypothekenbuch unseres Dorfes. Als Ortsgerichtsperson siegelte der Erblehnrichter mit einem selbsterstellten Siegel, das beim Amt Stolpen anzumelden war. Sein Inhalt: Sieg über Napoleon 1813! Die Befreiung von Not und Elend des Napoleonischen Krieges! Leider taucht das Siegel später nicht mehr auf. Der Inhalt ist als redendes Siegel uns überkommen. Der…
Die Bühlauer Chronik ist da
13. Juli 2021
Endlich da … die neue Bühlauer Chronik geschrieben von Dietmar Rentsch. Viele neue Infos und noch viel mehr Fotos findet man hier. Das Buch kann hier bestellt werden: https://www.buehlau.net/#bestellung-chronik
Die dörfliche Spinnstube – Vergnügen der Mägde
23. Juni 2021
Die Wintermonate im Dorf bescherten dem Bauer ein wenig Zeit zum Kraft schöpfen. Die Bäuerinnen und Mägde trafen sich in einer großen Bauernstube oder im Erbgericht. Dieses alte Bild der Bühlauer Spinn- oder Rockstube zeigt Bäuerinnen mit Likör und Kaffee. Jede Bäuerin brachte ihr Spinnrad mit. Zur Unterhaltung und zur Aufheiterung der Runde wurde ein Likör gereicht und ein Tässchen Kaffee gereicht. Dieses Foto ist einzigartig in der Darstellung des bäuerlichen Lebens in Bühlau und das erste mir bekannte Foto aus Bühlau. Leider sind die Damen unbekannt und das Datum kann auf ca.1865 geschätzt werden. Es waren die Anfänge der Fotografie und es waren gestellte Szenen. Der Fotograf kam aufs Dorf und brachte Werkzeuge und Hintergrund mit. Diese Treffen sprachen alle Themen der dörflichen Abgründe an und waren bereits früher dem Pfarrer ein Dorn im Auge. Mägde und Töchter nutzten die Spinnstube auch, um auf dem Heimweg ausschweifend mit Liebhabern zu bandeln. Und schon 1669 wetterte die Kirche gegen die Spinnstube Anno 1669 . bey angehenden Neuen Jahr haben sich die Mägde in der Spinn-Stube zur Putzkau also besoffen/ daß es der einen zum Halse heraus gebrennet/ einer andern ist theils von Völlerey/ theils von Schrecken über dieser/ die böse Kranckheit angestossen/ welche sie 4. Stunden lang also schrecklich in die Höhe geworffen/ daß 4. starcke Knechte genug an ihr zu halten gehabt. Der Pfarrer hat statt des Neuen Jahres=Wuntsches eine ernste Buß=Predigt thun müssen. Dieser…
Die Bühlauer Internetseite entsteht neu
16. Juni 2021
Nun ist es endlich soweit, die Bühlauer Internetseite www.buehlau.net entsteht neu. Neue Zeiten bringen neue Möglichkeiten. Die Vereine bekommen Zugänge und können Neuigkeiten selbst einstellen. Viele interessante Artikel über die Geschichte, die Herr Rentsch schreibt, folgen. Und neue Fotos vom Dorf oder andere interessante Sachen sollen integriert werden. Für die Bühlauer und die „Weggezogenen“ wird so die Seite informativ und interessant sein.
900 Jahre Bühlau
16. Juni 2021
Wenn es den Dekan Cosmas von Prag nicht gegeben hätte und wäre nicht ein so markanter Berg, der „Stulpen“, nicht unweit von Bühlau genannt worden, wären wir wie alle anderen Dörfer der Umgebung 100 Jahre später in den Focus der Geschichte geraten! Aber wie immer in Geschichte und Wirklichkeit: Erstens kommt es anders, zweitens als es ist! Erstens: Wir können das Jahr 1121 nach 900 Jahren im Jahre 2021 nicht feiern. Corona und Hygiene! Zweitens: Wir können und müssen das alles nachholen! Und wir holen alles nach: Am 17. Juni bis zum 19. Juni 2022 lassen wir es richtig krachen! Seit 2015 arbeitet der Kulturverein mit den Einwohnern an einem tragfähigen Festkonzept. Es ging immer darum, so viel wie möglich Einwohner in die Realisierung einzubinden. Zur Diskussion standen die Fragen nach dem Inhalt und der Gestaltung des Festes, die Frage nach dem Termin und die Frage nach dem Festort. Und: Gibt es einen Festumzug wie 1971 oder ein Projekt, wie das der offenen Höfe 2006? Nach mehreren Zusammenkünften und einer Einwohnerversammlung entschieden wir uns für die offenen Höfe, den Festort vor und in der Turnhalle und das Fest Anfang Juni 2021 abzuhalten. Wie alle wissen, fiel alles wegen Corona aus! Es geht in der Organisation weiter. Der erste Erfolg war die Ausgabe eines Kalenders mit historischen Motiven aus unserem Ort. In Coronazeiten geht aber die „Heimarbeit“ weiter: Es wird ein Bilderpfad durch Bühlaus markante Orte geben. Die Bewohner der Grundstücke sind aufgerufen, ihre…
1559 nahm sich Kurfürst August auch unseres Dorfes an
16. Juni 2021
Sofort wies er den Kartograf Matthias Oeder an, die Orte seines Fürstentums zu erkunden und aufzuzeichnen. Kurfürst August (sog. Vater August) beauftragte ihn somit, unser Dorf zu durchwandern und Land und Mann aufzuschreiben. Unser Dank gilt einem Mann, der akribisch die wichtigsten Details unseres Dorfes zu Pergament brachte. Er zählte die besessenen Mann, also die Menschen, die Eigentum besaßen. Er nannte die Mühlen und und setzte die Kirche an die richtige Stelle. In die Mitte gesetzt: Bihlau ins Ampt Stolpen 34 mann und am oberen Bildrand: die Tham mil mit 2 gengen ist Matz Paul. Schauen wir uns die eingebauten Häuslein an. Der Ring stellt Eigentum dar. Es sind also 33 Güter mit vererbbaren Gebäuden. Daraus können wir die Größe unseres Dorfes abschätzen. Und wir sehen, dass die Kirche kein Land besitzt. Da unsere Kirche an eine Mutterkirche gebunden ist, hat die Kirche in Lauterbach einen schönen Fetzen Land. Am unteren Ende des Dorfes ist ein Häuslein ohne Ring zu sehen, ein Haus ohne Land: Ein Gärtner oder Handwerker. Und dann kommt die Wesenitz und damit das Ende des Dorfes. Und die Niedere- oder Wesenitzmühle ist: An Brosius pauls unden am Dorf hat 3 Geng. Zu sehen ist noch ein Teichlein, gespeist von der Wesenitz. Die Biografie eines Dorfes Die großartige und für uns informative Darstellung ist ein hervorragendes Zeitzeugnis. Unser Dorf bestand damals aus 33 Bauerngütern, die zusammen ca. 620 ha Land bestellten. Eine ins Dorf gebaute Kirche mit dem üblichen…
Vor 900 Jahren schrieb ein Prager Mönch dieses herrliche Werk
16. Juni 2021
.. über Macht und Glanz der böhmischen Könige! Die böhmischen Könige hatten unser Dorf im Auftrag des deutschen Kaisers zu beschützen. Der deutsche König hatte im Jahre 1006 den Burgward Göda (Godobi) im Gebiet des sorbischen Gaues Milcza an das Bistum Meißen geschenkt. Der Zweck war die Missionierung der sorbischen Bevölkerung und die Ausstattung mit dienstbaren Bauern und ihren Abgaben. Unser Bühlau war der westlichste Ort des Burgward Göda. Die Grenze zu dem Gau Nisan wurde durch die Wesenitz markiert. Urkunden weisen keinen weiteren sorbischen Ort im westlichen Teil des Burgward Göda aus: Nur wir waren schon da! Und das ist beurkundet seit dem Jahre 1121. Und wie kam es dazu? Die damals mächtige Reichsburg Dohna (bei Heidenau) war vor 1120 zerstört worden. Der Kaiser beauftragte seinen Vasallen, den König von Böhmen, mit dem Wiederaufbau der Burg Dohna. Also machte er sich im Frühjahr 1121, nach der Schneeschmelze, auf den Weg nach Dohna. Dort erwarteten ihn schon die Abgesandten der sorbischen Adligen. Sie hatten nur eine Bitte: Der böhmische König möge doch die Teutonier (Deutschen) von dem Berg „Stulpen“ bei dem Flecken „villa Bela“ vertreiben. So schickte der König seine Ritter gen Stulpen und vertrieb die Deutschen. Aber woher wissen wir das? Der Mönch, der das Werk über den Glanz der böhmischen Könige schrieb, dokumentierte diese gute Tat des König Vladislaus in 1121 tief in den Seiten seiner Chronik. Diesem Cosmas Decanus gilt heute unser Dank für die…



























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